Master-Studentin gibt Einblicke in ihre Arbeiten zu einer Methode für deutsch-englische Unterrichtsszenarien

Three of a kind: Die Aschebergerin Anne Sorges (m.) hat den bilingualen Biologieunterricht am AFG mit ihren Ideen bereichert und befindet sich zurzeit im Referendariat. Die Biologie-Kolleginnen Frau Kolberg (l.) und Frau Hengelbrock (r.) haben Frau Sorges unterstützt und sie an ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz teilhaben lassen.

Das Anne-Frank-Gymnasium hat als einzige Schule am Ort einen bilingualen Bildungsgang. Die im Bili-Zweig in englischer Sprache unterrichteten Sachfächer sind Erdkunde und Biologie. Wie am AFG erfreuen sich auch deutschlandweit bilinguale Zweige großer Beliebtheit. Unterrichtsforscher, die sich mit bilingualem Erdkunde- und Biologieunterricht befasst haben, sehen beispielsweise Vorteile für das vertiefte Sprach- und Inhaltslernen. Überdies ist man sich darüber einig, dass die weltweit gültige Arbeitssprache Englisch in ganz authentischen Kommunikationssituationen angewendet und verfeinert werden kann. Diese findet man allgemein auch im üblichen Fremdsprachenunterricht, aber im bilingualen Unterricht sehr wohl auch beim Experimentieren im Labor oder beim Erkunden von Vorgängen in Lebewesen wie Pflanzen und Tieren. Hierzu gehört dann immer auch der Rückgriff auf die fachspezifische Terminologie, die in beiden Sprachen, Englisch und Deutsch, angelegt wird. In diesem Zusammenhang kann man auch an die Analyse von Karten und Diagrammen im Erdkundeunterricht denken, oder an das Aufstellen und Überprüfen von Hypothesen in den Naturwissenschaften. Die Vorbereitung von bilingualem Unterricht erfordert derzeit jedoch weiterhin außerordentliches Engagement auf Seiten der Lehrkräfte, da sowohl Arbeitsmaterialien als auch Unterrichtsmethoden für eine Verzahnung von Inhaltsvermittlung und Sprachenlernen kaum vorhanden sind und oftmals noch entwickelt werden müssen.

Zwar werden immer mehr fachliterarische Texte publiziert, die bilingualen Unterricht von der theoretischen Seite her beleuchten, doch praktische

Erprobungen konkreter Unterrichtsmethoden gibt es wenige. So hat es mich außerordentlich gefreut, dass ich im Rahmen meiner Masterarbeit am Anne-Frank-Gymnasium eine innovative bilinguale Unterrichtsmethode namens ‚twisted dictation‘ gleich in zwei verschiedenen Biologieklassen einsetzen und erproben durfte. Ziel dabei war die Weiterentwicklung dieser Methode, die die beiden Sprachsysteme, also Englisch und Deutsch, in sich vereint. Auf diese Weise soll nicht nur das Fremdsprachenlernen, sondern auch das Beherrschen der deutschen Fachterminologie gefördert werden. Dieser Fokus auf beide Idiome hat das Ziel, eine doppelte Sachfachliteralität zu gewährleisten – unter anderem ein Schwerpunkt der Forschung zum bilingualen Lehren und Lernen an der Universität Wuppertal.

Unter der ‚twisted dictation‘-Methode versteht man eine Form des Diktates, in dem Fremd- und Muttersprache ineinander verschlungen sind. Es ist normalerweise üblich, dass man bei einem Diktat das von der Lehrkraft Vorgesprochene so niederschreibt, wie es gesagt wurde: Wenn also etwas auf Deutsch diktiert wird, erfolgt die Niederschrift auch auf Deutsch. In der von mir verwendeten Methode muss man allerdings einen Satz, der auf Deutsch diktiert wurde, rasch im Kopf ins Englische übertragen und dann aufschreiben. Im Weiteren gibt es dann auch englische Äußerungen, die man wiederum als deutsche Sätze notiert. Diese Methode wurde von irischen und italienischen Forschern unter anderem dazu entwickelt, das Grammatiklernen von Schülerinnen und Schülern zu untersuchen und ihnen dabei zu helfen, ihre Sprachfertigkeiten zu festigen und zu verfeinern.

Ich habe diese bilinguale Methode am AFG in entscheidender Weise weiterentwickeln können. Im Zuge meiner Abschlussarbeit an der Universität Wuppertal, die von Frau Prof. Dr. Diehr und Frau Wenke betreut wurde, konnte ich auch noch viele weitere wertvolle Erkenntnisse für den bilingualen Unterricht gewinnen. Die Kooperation mit den AFG-Lehrerinnen Frau Hengelbrock und Frau Kolberg war dabei von entscheidender Bedeutung. Beide Lehrkräfte standen mir kompetent mit Rat und Tat zur Seite, waren sehr interessiert und überaus engagiert. Auch die Schülerinnen und Schüler der beiden Klassen, in denen ich die Unterrichtsmethode einsetzte, waren äußerst nett und machten nicht nur in den Testphasen vorbildlich und mit Freude mit.

Die Zusammenarbeit mit dem AFG hat mir zwei gehaltvolle Praktikumsmonate ermöglicht, in denen ich nicht nur für meine Masterarbeit forschen, sondern mir von den Lehrkräften auch für meinen persönlichen Berufsweg einiges abgucken konnte, sodass ich sehr dankbar für die gelungene Kooperation zwischen Gymnasium und Universität bin. (Text: Anne Sorges; Foto: R. Brunnert, StR; XII-2019)