10 Jahre Robotik am Anne-Frank-Gymnasium

Sympathisch und erfolgreich: Das Team „AuF Geht’s“ 2020 setzte sich zusammen aus (v.l.) Liv Thiesen, Stella Thiesen, Frieda Lipke, Emma Schniedergers, Matthias Peters, Linnea Windisch, Sören Kammann, Judith Dornhege, Anton Mors und Florian Krause.

Es wurde „eine ganz knappe Kiste“, als das Robotik-Team des Anne-Frank-Gymnasiums Mitte Januar beim Regionalentscheid der FIRST LEGO League (FLL) in Rheine antrat. Dort traf man auf alte Bekannte und fand letztlich nur noch einen - den alten - Meister.

Es war die Jubiläums-Teilnahme des AFG-Teams „AuF Geht’s“, denn zum 10. Mal nahm ein Schul-Team unter diesem Namen am Regionalwettbewerb teil. Vor einem Jahrzehnt hatten Marah Engels und Markus Fleige aus Menden, damals gerade als frisch gebackene FLL-Weltmeister aus Taiwan zurückgekehrt, einen begeisternden Vortrag am AFG über Robotik an der Schule gehalten. Die daraufhin initiierte AFG-Robotik-AG wurde in den Folgejahren von Engels, Fleige und dem von ihnen gegründeten Verein „Technik begeistert e.V.“ organisatorisch und durch ein Wettbewerbs-Spielfeld unterstützt. Finanziell gaben einige Eltern und der Förderverein des AFG den Anschub, später beschleunigten die KARL-KOLLE-Stiftung und die Wirtschaftsförderung des Kreises Unna den anrollenden Robotik-Zug noch einmal enorm.

„Robotik hat nicht nur mit Technikverständnis und Informatik zu tun, sondern baut auch sehr viel auf Erfahrungswerte“, schildert der AG-Leiter und Informatiklehrer Maik Bäumer einige Grundvoraussetzungen für solche Wettbewerbe. Neben den jährlichen Teilnahmen an der FLL haben AuF-Geht’s-Teams auch schon häufiger an der World Robot Olympiad (WRO) teilgenommen und dort in der Open Category, in der man nicht nur LEGO-Teile, sondern beliebige Baumaterialien verwenden kann, im Jahr 2015 mit dem Einzug ins Deutschlandfinale einen ersten großen Erfolg erzielt. Während bei der WRO maximal drei Teilnehmer ein Team bilden können, sind es in der FLL bis zu 10. Die maximale Teamgröße wurde auch in diesem Jahr wieder voll ausgenutzt, denn am AFG gibt es äußerst zahlreiche begeisterte Robotiker. „Wir haben in der Regel 15 bis 20 Schülerinnen und Schüler in der AG. Bei der FLL sind wir auch schon mit zwei Teams gleichzeitig angetreten und jedes Team hatte 9 Mitglieder.“ beschreibt Marin Emonts-Gast, ebenfalls Informatik-Lehrer am AFG, die komfortable Ausgangslage aus der Sicht

eines weiteren Team-Coaches.

Nicht nur aufgrund der Masse der leuchtend orangenen Team-Shirts hinterlässt das AFG-Team einen bleibenden Eindruck auf den Regionalwettbewerben. Bei nahezu jedem Wettbewerb wird die AFG-Mannschaft für die trotz - oder gerade wegen - ihrer Diversität hervorragende Zusammenarbeit im Team von den Veranstaltern hervorgehoben. Schulleiter Marcel Damberg lobt das Team: „Wenn der naturwissenschaftlich-technische Anspruch voll erfüllt wird, sind wir überaus stolz. Dass das Teamwork bei unserer Mannschaft schon lange Zeit so hervorragend ist, begeistert uns über alle Maßen und steckt auch andere an. Den verkopften Nerd als Einzelkämpfer, der andere nur abhängt und niemanden mitnimmt, möchte man weder im Schulalltag noch bei Wettbewerben oder in der Berufswelt gerne sehen.“
Mitte Januar traten 6 Mädchen und 4 Jungen aus den Klassen 6 bis 9 beim FLL-Regionalwettbewerb in Rheine an. Doch auch sie haben nicht nur unter sich gearbeitet, sondern mit anderen Gruppen rund um das AFG kooperiert. In der Wettbewerbskategorie „Forschung“ mussten in diesem Jahr Konzepte erstellt und präsentiert werden, die das Lebensumfeld angenehmer gestalten, das Motto lautete „City Shapers“. Ein Bezug zur Robotik ist in dieser Kategorie nicht zwingend. Daher nahm sich das Team das unmittelbare Schulumfeld vor und entwarf ein ganzheitliches und nachhaltiges Konzept für einen Dachgarten mit Rasen, Blumen, Kräutern und Bienenstöcken. Der robotische Aspekt floss schließlich doch in einen Rasenpflege-Roboter und eine automatische Bewässerungsanlage ein, beides versorgt über automatisch nachgeführte Photovoltaikanlagen. Über die AFG-Umwelt-AG holte man auch Expertise vom Schulträger ein. „Das ist überaus wichtig, damit man auch weiß, was wirklich umsetzbar ist.“ erklärte Klaus Brüning, Jurymitglied und stellvertretender Schulleiter am Kopernikus-Gymnasium in Rheine. Am Ende war das Team aus Werne in dieser Wettbewerbskategorie mit 48 von 50 Punkten nur dem späteren Spitzenreiter aus Menden unterlegen, der volle 50 Punkte einfahren konnte.

Um bauliche Maßnahmen ging es auch in der Wettbewerbskategorie „Teamwork“: Hier musste das 10er-Team ein Kartenhaus bauen, so dass sich alle Gruppenmitglieder daran beteiligen. „Es gibt häufig Aufgaben im Teamwork, die mit einer großen Gruppe schwieriger zu lösen sind, als mit einer Gruppe von beispielsweise nur 3 Schülern.“, so Bäumer. Das Kartenhaus kam zwischenzeitlich nicht über 3 Ebenen hinaus, doch die Jury legt keinen wesentlichen Wert auf die Geschosshöhe. Sie beobachtet vielmehr das Miteinander. Gehen alle Teammitglieder respektvoll miteinander um? Können sich alle gleichberechtigt einbringen? Wird einfach drauflos gebaut oder zunächst geplant, eine Aufgabenverteilung festgelegt und erst anschließend zu den Karten gegriffen? Hier kam das AFG-Team mit 46 von 50 möglichen Jury-Punkten auf einen hervorragenden dritten Platz.

Konstruktionsverständnis konnten die „AuF Geht’s“-Schülerinnen und Schüler auch in der Wettbewerbskategorie „Robot Design“ beweisen. Sowohl der Aufbau des Grundroboters, als auch aller Werkzeug-Aufsätze und die Programmierung mussten der Jury gegenüber erklärt werden. Dabei ging es nicht nur um eine Beschreibung des fertigen Gerätes, sonder ebenso um die Überlegungen zu den letztendlich getroffenen Designentscheidungen, den verworfenen Ideen und dem Optimierungsprozess. Besonder beeindruckt war die Jury, dass das Team die Evolution des aktuellen Wettbewerbsroboters aus voherigen Konstruktionen und Programmiergrundlagen anschaulich und nachvollziehbar darstellen konnte. So wurde besonders deutlich, wie die Robotik-AG am Anne-Frank-Gymnasium arbeitet: Die verschiedenen Altersgruppen arbeiten gemeinsam eine Lösung aus, bei der die Jüngeren von den Erfahrungen der Älteren profitieren und diese an die aktuellen Probleme anpassen. So enthielt die Programmierung sowohl Programmteile, die 2 oder 3 Jahre alt waren, als auch viele aktuelle Ergänzungen. Die hervorragende Leistung des Teams im „Robot Design“ wurde mit vollen 50 Punkten, einem ersten Platz in dieser Kategorie und einem Pokal honoriert.

In der letzten Kategorie, dem „Robot Game“, begann das große Zittern im Laufe des Wettbewerbstages. In drei Vorrundenläufen steigerte sich das AFG-Team stets. Auf einem Spielfeld musste der Roboter mit minimalen und klar regulierten Eingriffsmöglichkeiten größtenteils selbstständig die zuvor bekannten Aufgaben lösen: Einen Stau auflösen, Wohneinheiten an andere Orte transportieren, ein Karussell und einen Kran bedienen, eine Fledermaus umsiedlen und Vieles mehr. Für die Lösung standen pro Vorrundenlauf allerdings nur 150 Sekunden zur Verfügung. Die Schülerinnen und Schüler von AuF Geht‘s hatten den Roboter mit der schnellsten Fahrweise konstruiert, der trotzdem noch sehr präzise über das Spielfeld navigierte. Die ausgewählten Aufgaben wurden mit wechselndem Erfolg gelöst, doch am Ende stand der Einzug ins Halbfinale. „Unser Roboter war verhältnismäßig wendig und schnell. Die meisten anderen Roboter haben mehr Funktionen gleichzeitig eingebaut, waren dadurch aber auch größer und sind öfter an Aufgabenmodellen hängen geblieben.“, fasst Sören Kammann zusammen, der für das Team aus Werne am Wettbewerbstisch für das Starten und Rüsten des Roboters verantwortlich war. Eine Aufgabe, bei der der Roboter eine Rampe hochfahren und auf einer höheren Ebene Fahnen herunter drücken musste, wurde vom Team nicht gelöst. „Die Aufgabe haben wir nur kurz in der Vorbereitung getestet und dann verworfen. Nachdem wir gesehen haben, wie einige Roboter seitlich von der Rampe kippen und im Fledermaus-Baum landen, war das auch die richtige Entscheidung.“ meint Emma Schniedergers, die zum ersten Mal mit dem Roboter-Team des AFG angetreten ist.
Das Halbfinale zeigte eine klare Überlegenheit des späteren Robot-Game-Siegers „KopiRob1“ aus Rheine, so dass den AuF-Geht‘s-Robotikern im Finale die Zuschauerrolle blieb. Teammitglied Judith Dornhege kann aber auch daraus etwas Positives ziehen: „Bei den beiden Finalläufen konnten wir noch einmal genau sehen, wie die anderen Teams die Aufgaben gelöst haben.“ Im kommenden Jahr kann man dann auch auf diese Erfahrung aufbauen.

Bei der Siegerehrung wurde es dann noch einmal richtig spannend. Durch die vielen hohen Platzierungen in den einzelnen Kategorien und die Unkenntnis der genauen Bepunktung bis zu diesem Zeitpunkt war das AFG-Team sich bewusst, dass man in den oberen Rängen landen würde. Ob es zum Gesamtsieg reichen könnte, war nicht genau absehbar. Letztendlich gewann das attraktivundpreiswert-Team aus Menden, der „alte“ Meister des AFG-Teams, nur knapp vor AuF Geht‘s und fuhr 8 Tage später zum Westeuropa-Finale nach Aachen. „Für das nächste Jahr sollten wir uns ebenfalls den Termin für das Westeuropa-Finale freihalten“ waren sich alle Teammitglieder aus Werne einig.