Trotz des Alptraums des Wahlergebnisses, den wir zu Anfang unseres Aufenthaltes erst einmal verdauen mussten, ist Amerika für unsere Schüler noch immer das Land, in dem Träume wahr werden. So auch am vergangenen Donnerstag, als die Schüler des AFG die Fertigungshallen des legendären Corvette Sportwagens besichtigen durften und zum Abschluss ihres Besuches dort sogar in einem der Wagen kurz Platz nehmen konnten.
Außerdem besichtigten wir den Campus der WKU, der Western Kentucky Universität, und eine Apfelplantage, die der größte Familienbetrieb in Bowling Green ist. Beim Rundgang über den Campus der Universität wurde unsere Gruppe von einer jungen Collegestudentin geführt, die vor drei Jahren noch Schülerin gewesen war und ebenfalls am Schüleraustausch mit dem AFG teilgenommen hatte, weswegen es ihr eine besondere Freude war, uns zu begrüßen, hatte sie doch Wernes Solebad und die vielen Becher Spaghetti-Eis, die sie hier einst genossen hatte, noch in bester Erinnerung. Die WKU gehört mit ihren ca 15.000 Dollar Studiengebühren pro Jahr noch zu den erschwinglicheren Universitäten des Landes, die Höhe unserer durchschnittlichen Studiengebühren ruft hingegen bei den Amerikanern stets ungläubiges Staunen hervor. Allerdings muss man zugeben, dass die Unis ihren Studenten auch einige Dinge bieten, von denen wir hier nur träumen können, wie z.B. kostenlose Teilnahme an allen Sportveranstaltungenen, die hier ganz hoch im Kurs stehen, aber auch einen kostenlosen Health Service direkt auf dem Campus, sowie viele Seminare mit sehr kleinen Teilnehmerzahlen, so dass individuelle Förderung problemlos möglich ist.
Natürlich gab es auch inzwischen einen Empfang bei Bürgermeister, bei dem unsere Schüler auch auf dessen Platz und den Plätzen der anderen Stadtabgeordneten im Versammlungssaal Platz nehmen durften.
Abgesehen von diesen Ausflügen besuchten die Schüler an drei Tagen in dieser Woche mit ihren Partnern die jeweiligen Gastschulen. Hier fielen den AFG Schülern gleich viele Differenzen auf. Der täglich gleiche Stundenplan, die Tatsache, dass man höchstens sechs verschiedene Fächer hat, und das Essen in der schuleigenen Cafeteria, das hauptsächlich aus Fast Food besteht, wurde überwiegend als recht eintönig empfunden, hingegen begeisterten alle die Größe, die Sauberkeit und die technische Ausstattung der Schulen sowie auch Offenheit und die Freundlichkeit der Mitschüler und Lehrer. Das Niveau unterschied sich z.T. deutlich von dem, was unsere Schüler vom AFG her gewohnt sind, allerdings muss man bedenken, dass es sich bei unseren Partnerschulen um Gesamtschulen und nicht um Gymnasien in unseren Sinne handelt.
Am Freitag verließen unsere Schüler dann schon um 11 Uhr ihren regulären Unterricht und wurden jeweils zu zweit oder zu dritt auf verschiedene Grundschulen und sog. Middle Schools verteilt, wo sie den dortigen Schülern anhand von daheim vorbereiteten Powerpoint-Präsentationen etwas über Deutschland und Werne erzählten. Dies stieß auf durchweg großes Interesse und auch Begeisterung der Kleinen, allerdings bleibt auch in dieser Hinsicht noch viel zu tun, zeigten doch einige Fragen der Schüler von großer Unwissenheit bzgl. Deutschlands und des Auslands allgemein. So haben unsere Schüler zwar nur einen kleinen, aber doch, wie ich persönlich finde, einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung und zur Völkerverständigung geleistet.
Am Samstag steht nun ein Ausflug in den Mammoth Cave National Park an, der Sonntag wird individuell verbracht, und in der nächsten und letzten Woche unseres Aufenthalts stehen neben der Besichtigung des Kentucky Derby Geländes, einer Baseballschlägerfabrik, des Kapitols in der Hauptstadt Frankfort auch noch die Besichtigung eines Whisky Destillerie an, so dass auch hier noch weitere American Dreams der Pferdeliebhaber, der Sportlieber und der Whiskyfreunde erfüllt werden können, wobei natürlich letztere unter unseren Schülern nicht vertreten sein dürfen, darf doch hier Alkohol erst ab 21 Jahren konsumiert werden.
Am Donnerstag steht dann das Thanksgiving Fest am, das hier im großen Familienkreis zelebriert wird. Der darauf folgende Freitag ist generell der sog. Black Friday, an dem die Geschäfte das Weihnachtsgeschäft eröffnen und mit vielen Angeboten locken, hier besteht die Gefahr, dass die Kreditkarten der Schüler zum Glühen gebracht werden, falls die Eltern kein Limit gesetzt haben sollten. Aber auch Shopping gehört selbstverständlich zum American Dream!
Viele Grüße von Birgit Berendes