Das im Folgenden dargestellte pädagogische Leitbild des Anne-Frank-Gymnasiums Werne entspricht in seinen wesentlichen Grundideen dem des Schulprogramms aus dem Jahre 2000. Das zeigt, dass die damaligen pädagogischen Grundsätze auch noch für die Gegenwart nicht nur Bestand haben, sondern noch immer hochaktuell sind. Die pädagogische Arbeit an der Schule ist unter ihrem erzieherischen Leitbild nicht nur seit 2000 fortgeführt worden, sondern dies soll auch weiterhin in der Zukunft so sein. Diese Kontinuität in den pädagogischen Grundansätzen bedeutet für alle am Schulleben Beteiligten grundsätzliche Verlässlichkeit und Sicherheit.

 

Lehren und Lernen sind Teil eines vielschichtigen geschichtlichen und gesellschaftlichen Prozesses, in dem die Voraussetzungen für das Zusammenleben von Menschen geschaffen werden. Dies gilt insbesondere in einer zeitgeschichtlichen Epoche, die durch das Zusammenwachsen Europas gekennzeichnet ist.

Der Institution Schule kommt in diesem Zusammenhang eine bedeutende Aufgabe zu. Jeder Einzelne ist in die Verantwortung gestellt, seinen Beitrag zur Mitgestaltung dieses Prozesses zu leisten. In der Wechselwirkung von Schule und Gesellschaft können sich die Veränderungen manifestieren, die eine humane Zukunft als Ziel definieren.

Das Leben des jüdischen Mädchens Anne FrAnneFrankank, dessen Namen unsere Schule trägt, wurde durch den Hass und die Intoleranz der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zerstört. Ein solches Verbrechen gegen die Menschlichkeit darf sich in unserem Land nicht wiederholen. Das Schicksal der Anne Frank mahnt uns, unsere privaten und öffentlichen Verhältnisse so zu gestalten, dass die Unterdrückung von Menschen nicht mehr möglich ist. Wir sind aufgerufen, jeder Form von Diskriminierung entgegen zu treten.

Die pädagogische Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer des Anne-Frank-Gymnasiums muss einen Beitrag dazu leisten, junge Menschen aufzuklären, zu sensibilisieren und bei Ihnen eine Toleranzbereitschaft zu entwickeln, die es gestattet, in einer pluralistischen Gesellschaft einvernehmlich miteinander zu leben.

Das Anne-Frank-Gymnasium ist als öffentliche Schule keiner Glaubens- oder politischen Richtung verpflichtet. Das Kollegium und die Schülerschaft setzen sich zusammen aus Menschen, die verschiedenen Konfessionen angehören und unterschiedliche politische und weltanschauliche Standpunkte vertreten. Einige kommen sogar aus fremden Herkunftsländern und Kulturkreisen. Alle Mitglieder der Schulgemeinschaft müssen sich also täglich im Unterricht und außerhalb der Schule mit sehr unterschiedlichen Charakteren und Meinungen auseinandersetzen. Gerade in diesen Voraussetzungen sehen die Kolleginnen und Kollegen des Anne-Frank-Gymnasiums eine Chance für das Erreichen übergeordneter Leitziele: Vielfalt reizt zu kommunikativer Auseinandersetzung. Unterschiedliche Persönlichkeiten und Denkansätze helfen den Schülerinnen und Schülern bei der Findung ihrer eigenen Identität. Die jungen Menschen haben die Wahl, sich an Vorbildern zu orientieren oder aber auch sich abzugrenzen. Die dargestellte Vielfalt ermöglicht eine Erziehung zu Toleranz gegenüber anderen Personen und der Meinung Andersdenkender. Ohne tolerante Umgangsformen ist ein erfolgreiches gesellschaftliches (geregeltes) Zusammenleben nicht möglich.

In diesem Zusammenhang findet die Entwicklung des Anne-Frank-Gymnasiums zur Europaschule seine konsequente Entsprechung. Die Schule öffnet sich über die kommunalen und nationalen Grenzen hinaus in Richtung Europa und sogar darüber hinaus.

„Schulen mit europaorientiertem Profil wollen auf die Anforderungen einer zukünftigen Wissensgesellschaft in einem zusammen wachsenden Europa vorbereiten." (Leitbild der Kölner Erklärung für Europaschulen)

Das Anne-Frank-Gymnasium versucht diesem Leitbild unter anderem durch das Angebot eines bilingualen Bildungsganges in besonderem Maße zu entsprechen. In diesem werden insbesondere sprachliche, methodische und interkulturelle Kompetenzen gefördert. Die Förderung der Sprachkompetenz hat das Ziel der guten Verständigung in der Weltsprache Englisch. Dies wird insbesondere durch den Bestandteil des bilingualen Zweigs erreicht, konkrete Sachverhalte in Lernbereichen wie Natur- und Gesellschaftswissenschaften in der Fremdsprache zu verstehen, zu verarbeiten und darzustellen.

Im Unterricht aller Klassen und Jahrgangstufen wird ein breites Wissen über Europa und fremde Kulturen angelegt, damit die Jugendlichen des 21. Jahrhunderts in die Lage versetzt werden, am kulturellen und gesellschaftlichen Leben der europäischen Partnerländer teilzunehmen.

Dadurch erhalten die Schülerinnen und Schüler des Anne-Frank-Gymnasiums einerseits optimale Voraussetzungen für Studium und Beruf. Auf der anderen Seite fügt sich das Konzept in das grundsätzliche Leitbild des Anne-Frank-Gymnasiums ein, denn es beinhaltet einen wichtigen Beitrag zu Erziehung innerhalb und außerhalb des Unterrichts, indem es den Lernenden über den Weg, die europäischen Nachbarn besser kennenzulernen und eventuell vorhandene Vorurteile abzubauen, Werte wie Verständnis, Toleranz und Solidarität vermittelt. Als Konsequenz des Kennenlernens von Andersartigkeit erhalten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihre eigene Identität zu definieren und zu schärfen. Dazu tragen neben dem bilingualen Unterricht Schüleraustauschprogramme bei, während derer die Schülerinnen und Schüler miteinander leben und arbeiten. Auch internationale Projekte und Partnerschaften sowie deutliche Europa-Akzente in den Unterrichtsfächern verfolgen dieses übergeordnete Ziel.

Diese allgemeine Zielsetzung soll im Schulalltag folgende Konkretisierung erfahren:

  • Vermittlung eines gesicherten Wissens im Fachunterricht

Nur gute, gesicherte Kenntnisse über die vielfältigen und komplexen Fakten und Vorgänge in Wissenschaft und Gesellschaft versetzen junge Menschen in die Lage, sich ein fundiertes Urteil zu bilden, auf dessen Basis sie Bewertungen vornehmen können.

  • Methodische Arbeit, die die Fähigkeit zur Kommunikation, zu Offenheit und Transparenz sowie zu verantwortungsvollem sozialen Handeln fördert.

Die unterrichtliche Arbeitsweise soll Schülerinnen und Schüler erziehen, den eigenen Standpunkt klar darstellen und erläutern zu können. Ebenso sollen sie lernen, andere Standpunkte wahrzunehmen, sie zu respektieren und sich kritisch, sachlich und in sprachlich angemessener Form mit ihnen auseinanderzusetzen. Dabei kommt der Erarbeitung tragfähiger Kompromisse eine besondere Bedeutung zu. Aus diesen Kompetenzen erwächst die Möglichkeit, dass Schülerinnen und Schüler ihre kulturelle Identität finden und zu interkultureller Kommunikation im Sinne des zusammenwachsenden Europas befähigt werden.

Offenheit und Transparenz können erreicht werden, wenn alle am Schulleben Beteiligten ernst genommen und bei der Planung und Entwicklung von Prozessen mit einbezogen werden. Wertungs- und Bewertungskriterien sollen offenliegen und nachvollziehbar sein. Regeln und Normen des Zusammenlebens und Zusammenarbeitens in Klassen, Kursen sowie der gesamten Schulgemeinde sollen einsichtig gemacht und nach Möglichkeit gemeinsam aufgestellt werden.

  • Förderung außerschulischer und internationaler Kontakte

Erziehung junger Menschen bedeutet in einer Zeit zunehmender Globalisierung, dass sie die vielfältigen und komplexen Zusammenhänge gerade auch außerhalb der Schule kennenlernen. Dabei sollen sie in diesem Kontext lernen, Toleranz gegenüber anderen Gewohnheiten

zu üben, andere Kulturen zu respektieren und gegen jede Form von Gewalt, Unterdrückung und Rechtsextremismus offensiv vorzugehen. In diesem Zusammenhang kann ein breit gefächertes Austauschprogramm innerhalb Europas und darüber hinaus vielen Schülerinnen und Schülern Gelegenheit bieten, andere Länder und Systeme kennenzulernen, indem sie einerseits diese besuchen, aber andererseits auch Gastschüler/innen bei sich aufnehmen.

  • Gestaltung des Schullebens

Sowohl im Schulgebäude als auch auf dem Schulgelände soll es Räume bzw. Orte geben, wo sich Schülerinnen und Schüler sowie auch die Lehrkräfte und das sonstige an der Schule tätige Personal in Ruhe arbeiten und sich wohlfühlen können. Dies impliziert Sauberkeit und Ordnung im Gebäude und auf dem Gelände ebenso wie eine ansprechende Klassen- und Pausenraumgestaltung. Auch eine klare zeitliche Strukturierung des Unterrichtstages ist für den gesamten Erziehungsprozess junger Menschen im Sinne der Leitziele von Bedeutung ebenso wie die Festlegung von Regeln in einer Schulordnung.

Bei der Gestaltung der Räume und der Außenanlagen soll auch dem europäischen Gedanken Rechnung getragen werden, indem Informationen über die Sprachzertifikate und Austausche schülernah präsentiert sowie Motive, die mit der europäischen Geschichte und Kultur in Zusammenhang stehen, berücksichtigt werden.